Archiv: September 2016

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Viennacontemporary

22. bis 25.09.2016

 

Was man schon immer über zeitgenössische Kunst wissen wollte – hier erfuhr man es. Zumindest den österreichischen und ein wenig auch den europäischen Ansatz. Schwerpunkt bildete die heimische Kunstszene, verstärkt durch nord- und osteuropäische Vertreter. Österreichische Weltstars wie Rainer, Helnwein oder Lassnig suchte man vergeblich. Ein einsamer Nitsch und ein paar geniale Skulpturen von Wurm hatten Wiedererkennungswert. Ein Highligt aus der Championsliga der Kunst bildeten die farbenfrohen Acrylbilder des Isländers Erró. Neben etablierten Künstlern entdeckte man eine Handvoll emerging artists, die ihren Weg an die Spitze noch vor sich haben. Mit Gespür für das Wesen eines guten Werks und ein Auge für das Außergewöhnliche ließ sich einiges finden, in das zu investieren es sich lohnt.

Man war gut beraten, seine Tour d’art auf zwei Tage aufzuteilen, zu sehr erschlägt die Menge. Es scheint, als ob Wien überquillt und gar nicht aufhören will, Kunst auszuspucken. Es braucht Zeit um zu verdauen und zu filtern. Das Wesentliche wird hängen bleiben.

Der Ort des Geschehens, die alte Marx-Halle, versprüht den Charme des Fin de Siècle, als die bildenden Künste zum größten Entwicklungssprung seit der Renaissance ansetzten. Als Location gut gewählt, um Werke und Betrachter mit dieser Aufbruchsstimmung zu segnen.

 

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Alfred Melchert wagt “EXPERIMENTE” im Kulturdepot

Am 16.9.2016 und 17.9.2016 veranstaltete der “Marchfelder Kunsthaufen” eine Ausstellung mit dem Wiener Maler ALFRED MELCHERT im Kulturdepot Deutsch-Wagram. Als Asperner  lebt und arbeitet dieser ja – zumindest geologisch gesehen – im Marchfeld.

Die Werkschau mit dem Titel „Experimente“ konzentrierte sich vor allem auf den zeichnerischen Output von Alfred Melchert, sozusagen auf seine Kleinkunst. Der intime Rahmen des Ausstellungsraums leistete sein Übriges zum Thema Kleinkunst und war mit Besuchern gut gefüllt.

Zu den gezeigten Werken des Künstlers lässt sich feststellen, dass seine „Experimente“ keine Revolution bergen, doch unterscheiden sich die gezeigten Exponate erheblich von seinen großformatigen Gemälden in Öl oder Acryl.
Die alten Pfade verlassend konzentriert sich Melchert auf vertraute Materialen, die er in ungewöhnlicher Weise kombiniert. Mit Tusche, Kohle, Kugelschreiber, Aquarellfarben, Buntstiften, Bleistift,  Graphitstift, oder Kreide überarbeitet er das zuvor mit Acrylfarben überschüttete Papier. Er verbindet amorphe Farbflächen und zufällig entstandene Formen mit realistischen Darstellungen. Je nach Bild überwiegt einmal das Abstrakte, dann wieder das Realistische. Eine Synthese zwischen rechter und linker Gehirnhälfte, ein buntes Durcheinanderversprengter Farben.

Hervorzuheben sind zwei große Akte auf Leinwand, ähnlich entstanden aber vollkommen unterschiedlich in der Ausgangssituation.
Die Besonderheit: die farbreduzierten Bilder sind eine  Koproduktion mit Sabine Geiger, die den Urgrund – das Erdige, Geheimnisvolle und Archaische – eingebracht hat. Wie ein prähistorischer Höhlenmaler bearbeitet Melchert diese fiktiven Felswände und haucht seinen Körpern Leben und Menschentum ein. Figuren – wie aus Gestein gehauen – umgeben von atmosphärischer Dichte, voll unerklärlicher Lebendigkeit.

Informationen zum Werk des Künstlers findet man auf der Seite  www.alfreath.at , der Künstler ist unter anderem Mitglied des Kunstnetz Wien, ab 21.10.2016 werden seine Werke auch im K1 zu sehen sein.

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ENTDECKUNGEN von Helmuth Mahr im Kunst.Lokal Großenzersdorf

In gewohnt künstlerisch dichter Atmosphäre, begleitet von lockerer gesellschaftlicher Unterhaltung, fand gestern Abend die Eröffnung der Ausstellung “ENTDECKUNGEN” von Helmuth Mahr im Kunst.Lokal in Großenzersdorf statt. Der Künstler präsentierte sich sehr sympathisch und nahezu unauffällig, ganz gegensätzlich zu seinen Werken, welche schon alleine durch Farbgebung und Material ins Auge springen. Bei näherer Betrachtung outen sich seine Werke als sehr lebendige, spannende und nicht gleich zu durchschauende 3-dimensionale Collagen aus unterschiedlichsten Materialien. Nicht umsonst war die Ausstellung mit folgenden Worten angekündigt:

“Es ist eine Entdeckungsreise, eine Jagd nach dem Alten, dem Vergilbten, dem Verrosteteten oder Verwitterten. Material, das durch Natur und Mensch geprägt wurde, wertlos und nutzlos für die Gesellschaft, bekommt plötzlich neue Bedeutung und Anerkennung in der Komposition eines Bildes oder einer Skulptur.”

So wird das nie zu einer Wasserleitung oder Heizung verbaute Kupferrohr Inhalt eines Kupferkopfes und mag frei interpretiert für Gehirnwindungen stehen, unter dem Titel “GAFF” findet sich ein Werk, durch dessen geöffneten Spion ein Text zu entdecken und lesen ist. In einem anderen Werk lässt sich der Inhalt sogar bewegen – getrieben von einem ausgedientem Zirkel, der aus dem Bilderrahmen ragt und zur Interaktion verleitet, verschiebt sich das Profil eines Kopfes und nimmt unterschiedliche Positionen ein, ganz nach dem Geschmack des Betrachters. Bei einem Werk war auch Matador verbaut – der gute, alte mit den bunten Holzstäbchen als Verbinder – längst ausgedient und nutzlos für den wahrscheinlich erwachsen gewordenen Besitzer, jetzt in neuer Funktion als strukturelles Traggerüst für einen Metallhalbkopf.

Die Ausstellung präsentiert sich damit sehr spannend und erlebnisreich, es gibt immer wieder neue Details zu entdecken und es sind vor allem diese Aha-Erlebnisse, wenn man die ursprüngliche Funktion der einzelnen Bestandteile eines Werkes heraus findet, die diese Ausstellung so besonders machen.

Brigitte und Helmuth Mahr betreiben auch einen Schaugarten in Breitstetten, wo nach Voranmeldung weitere Kunstwerke zu sehen sind (http://www.naturimgarten.at/schaugaerten/weinviertel/mahr-brigitte-und-helmuth)

Das Kunst.Lokal hat sich mit dieser Ausstellung getreu seines Mottos, keine herkömmliche Galerie sondern ein Marktplatz für Kunst zu sein, wieder ausgezeichnet präsentiert – die Eröffnungsworte von Martin Suritsch und Georg Niemann haben das auch sehr gut transportiert. Der musikalische Background war diesmal eine Darbietung am Saxophon – wer Lust auf mehr Musik hat, kann auch die Konzerte am blauen Montag im Kunst.Lokal besuchen.  (http://www.kunst-lokal.at)

Die Ausstellung läuft noch bis 5. Oktober 2016, Anreise und Öffnungszeiten sind auf der Homepage zu finden.

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